1 turn the page

Traumwandler

Ich bin froh, dass ich euch meinen ersten Gastbeitrag präsentieren kann. Diese Geschichte kommt von Markus Lamberty. Ich hoffe, dass es eine Ermutigung für alle: jeder kann mir seine Geschichten schicken – sie würden alle veröffentlicht werden! Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

copyright by Markus Lamberty:

1 turn the page (1991)

Der Winter war früher dran dieses Jahr.

Kaum daß die Blätter der alte Birke im Innenhof alle die Farbe vom blassen Grün in Braun gewechselt hatten, war sie frühmorgens schon von dickem Rauhreif überzogen. Wenn er in die Küche kam, war es dort schneidend kalt. Eisblumen blühten am Fenster. Es gab kein Bad, nur eine elektrisch beheizte Dusche in der Küche. Das Klo war eine halbe Treppe tiefer. Er teilte es mit der russischen Kunststudentin von gegenüber und ihren Besuchern. Er wunderte sich oft, wie man es zu zweit und auch oft zu dritt in einer winzigen Einzimmerbude aushalten konnte – doch Künstler sind wohl anders gestrickt. Letzten Winter gab es noch mehr Klobenutzer. Die campierten ein Stock höher, auf dem Treppenabsatz vor dem Dachboden. Als er damals mal früher von der Arbeit kam, hatte ihn die Neugier gepackt. Er hatte nachgesehen: zwei alte schmutzige Schlafsäcke, zwei Decken, auf dem Boden schmutzige Wäsche, eine Flasche, Wodka, leer, gefüllt mit bräunlicher Brühe und zig Kippen – zwei Flüchtlinge aus irgend einem Ostblockland, er tippte auf Rumänien. Immer freundlich, wenn man sie antraf, immer zurückhaltend – eines Tages waren sie weg, als er abends nach Hause kam, weg, bis auf die Decken und einen Rucksack – und kamen nicht wieder. Wahrscheinlich hatte der Alte aus dem Hinterhaus was mitgekriegt und die Bullen gerufen. Einen Tag später waren auch die Decken und der andere Kram weg und das Treppenhaus und der Hausflur frisch geputzt – einmal im Leben. Und an der Eingangstür prangte von innen ein neuer alter Aushang: Das Haus ist nachts verschlossen zu halten u.s.w. bla bla Correcta Hausverwaltung. Er hatte es gelesen und gleich abgerissen – scheiß drauf!

Er saß auf seinem alten Leder-„Chef“-Sessel und schaute aus dem Fenster. Er blickte über die Dächer von Berlin-Moabit Richtung Ostberlin. Das Licht auf der Spitze des Fernsehturms blinkte. Das war purer Luxus. Noch vor 1 ½ Jahren war der Blick aus dem Fenster der auf eine graue und rissige Nachbarhauswand gewesen. Das war noch in der alten Bude, im Wedding … Jetzt, Luxus, ein Wohnzimmer mit altersschwachem Kachelofen und daneben noch `n kleines Zimmer mit Hochbett. Den Ofen hatte er noch im letzten Winter notdürftig flicken müssen. Panik. Panik, daß er schläft und die Hitze sich so staut, daß die Deckenfliesen des Kachelofens abheben und die giftige Luft rauslassen. Er hatte den alten brüchigen Putz in der Brennkammer abgelöst und innen neu ausgespachtelt, keine Ahnung, ob das so richtig war, Hauptsache dicht. Jetzt verbreitete die alte Kiste wohlige Wärme, zumindest in dem Raum, wo er jetzt war.

Bloß nicht die Tür zum Flur aufmachen, außer um neue Briketts zu holen! Er öffnete kurz das Fenster zum lüften – und ein eisiger Hauch fegte herein. Ihn fror. Er stellte sich mit dem Rücken an den Kachelofen, spürte die Hitze langsam durch Pullover und T-Shirt zu ihm durchdringen. Sein Blick fiel auf den Wecker. Es war kurz nach 19.00 Uhr. Von seinem Gefühl her hätt`s auch 22.00 Uhr gewesen sein können. Was tun mit dem angefangenen Abend? Noch weg in die Kneipe? – oder hierbleiben und lesen? Dort oder hier alleine sein? Er öffnete das Türchen zur Brennkammer des Ofens, vorsichtig mit spitzen Fingern, nicht wieder die Pfoten verbrennen! – und ging in den Flur, holte drei, vier Briketts und legte nach. Er griff zu seinen Zigaretten – Scheiße! – nur noch zwei! Also, doch noch mal losgehen. Er ging rüber in die Kammer, kramte unterm Hochbett nach nem zweiten Paar Socken, zog seine Stiefel über. Dann den Geldbeutel holen – noch 35, – DM. Nicht viel, aber auf der Post war ja auch noch was. Er hatte den Monat über die Jobvermittlung nicht schlecht verdient – das würde, wenn nix passierte, reichen bis zum nächsten ersten. Er müßte also erst in der letzten Woche wieder hin.

Von unten kam Musik, Stefan, der Mathematikstudent, hatte wohl wieder Besuch von seiner Freundin. Samira war eine außergewöhnliche Frau – die Mutter aus Persien, der Vater aus China! Immer wenn sie da war liefen THE CURE – auch jetzt. Manchmal schon hatte er sie streiten hören, SIE streiten hören, er war nie zu hören – aber SIE, schrill, laut aggressiv – sie machte ihn an. Er hätte es gut gefunden, Stefan wäre mal wieder zu seinen Eltern nach Wessiland gefahren, dann hätte er Samira mal eingeladen – dafür hätt` er sich sogar ne CURE-Platte gekauft … . Gerne würde er sie kennen lernen!

Er steckte seine Kohle ein, zog seine alte Army-Jacke über den Pullover, wickelte sich das Palä-Tuch um den Hals , zog die Tür zu und ging die Treppe runter zum Hof. THE CURE wurden lauter als er an Stefans Tür vorbeiging, dazwischen hörte er Geschirrklappern und das Rauschen der Dusche in der Küche. Im zweiten war absolute Ruhe, hier hatte er noch nie jemand gesehen. Die Mieterin im ersten war letzten Sommer zu ihrem Freund gezogen. Im Erdgeschoß wieder Musik, die hörte er gerne – hier wohnte `ne WG von Südamerikanern, er tippte auf Chile oder Peru, hatte sie mal im Wedding vor Hertie in der Müllerstraße gesehen, als sie dort spielten. Ein herrlicher Duft von frischem Essen zog durch die Tür – und ein Duft von was anderem, was er auch gerne rauchte!

Er öffnete die Tür zum Hof. Der Wind schlug ihm entgegen wie eine Faust. Verdorrte Blätter wirbelten über den Hof. Er zog den Schal über Nase und Ohren, ging zum Vorderhaus in den offenen Durchgang und raus auf die Straße. Wohin? Nach links Richtung U-Bahnhof Birkenstraße oder nach rechts Richtung Beusselstraße ? Er ging nach rechts, auf die Snobs in der Studi-Kneipe in der Wilhelmshavener hatte er keinen Bock – dann lieber die Straße hoch bis ins „Route“. Ohne über viel nachzudenken ging er die Straße hoch, die Nase im Palä-Tuch, die Arme bis zu den Ellbogen in den Taschen. Der Wind, vermischt mit einzelnen Schneeflocken hieb ihm ins Gesicht. Kein Mensch war unterwegs. Er war allein, nur er und die Kälte. Kurz vorm „Route“ war ein chinesischer Imbiß. Auf der Straße schon roch`s nach Öl, Knoblauch und Curry. Er ging rein und löffelte `ne Sauerscharf-Suppe. Köstlich. Jetzt war ihm wohler. Wie immer gab er der netten Alten statt den verlangten 2,50 DM drei Mark, was sie, wie immer, mit einem Kopfnicken und einem breiten Lächeln quittierte.

Im „Route“ war noch nicht viel los. Barney blickte leer und verkniffen über seinen Tresen. Hinten spielten zwei Typen von irgend einem Motorradclub Billard und am Tresen hing mit halb geschlossenen Augen und wirren Haaren ein offensichtlich besoffener Vertretertyp und hielt sich an seinem längst schal gewordenen Bier fest. Die Musik war cool wie immer – gerade lief Black Sabbath`s erste – und er zog sich `n Barhocker rüber und hockt sich so an den Tresen, daß er den Laden überschauen konnte. Er mochte es nicht, wenn er mit dem Rücken zur Kneipe saß – dann stand er lieber.

Sein Bier kam und er ließ sich von Barney ein Päckchen Tabak – „Drum, wie immer?“ und Blättchen geben. Der Laden füllte sich langsam. Er kannte manche vom sehen. Mit zunehmender Gästezahl wich Barneys finstere Miene dem üblichen breiten Grinsen einer englischen Bulldogge und er sprang flink hinterm Tresen hin und her, verschwand mal eben ins Nebenzimmer mit dem Billard und dem Holzklotz um jedem zu zeigen, daß er als alter Zimmermann das Einschlagen des Nagels noch am besten drauf hatte …

Ne Gruppe von Studis saß am Tisch seitlich neben ihm, wohl erstes oder zweites Semester. Drei Typen und zwei Mädels. Eine der beiden schien nicht uninteressant: Anfang zwanzig, schlank, kurze und struppige hellblonde Haare, im Nacken hennarot gefärbt – wie Beate, die Freundin von Bernd, Freunde aus Saarbrücken. Die fünf plauderten über die Uni, die Profs, wie man am günstigsten von Berlin nach Dortmund kam … Er sah nicht hin und registrierte doch alles aus den Augenwinkeln. Und noch was fiel ihm auf – sie becherten nicht schlecht! Das andere Mädel war in etwa gleich alt, doch mit der Ausstrahlung einer Klosterschülerin – `n bißchen pummelig, ein rosa Plüschpullover von der Sorte Tante und ordentlich gescheitelte etwas strähnige halblange blonde Haare. Die drei Typen waren nahezu austauschbar: blond bis dunkelblond, kurzhaarig, ordentlich mit Hemd und frisch gewaschener Jeans – einfach zum kotzen!

Er ging zum pissen, kam am Billard vorbei und sah, wie `Jack the Ripper´, so stand`s hinten auf der Weste, die er über der Lederjacke trug, seine letzte Kugel einlochte. Er griff in seine Tasche, legte `ne Mark innen an den Rand des Billards und fragte: „ Ne Runde gegen den Sieger, ok?“. „Um nen braunen und n Bier, ok?“ fragte `Jack´. „Klar.“ Ein brauner Tequilla und ein Halbes, der übliche Einsatz.

Es roch nach Urinstein und Desinfektionsmitteln. Über`m mittleren Pissbecken stand in schwarzen Druckbuchstaben „wer das geld hat, hat die macht – bis es unter`m daimler kracht! raf, kommando wolfgang beer – daneben „seit wann reimt die raf?“ und drüber mit rot „phantasie ist der schlüsssel zur anarchie“ u.s.w. – Er wusch sich die Hände und schaute in den Spiegel: lichter werdende halblange Haare, ein rötlicher Schnurrbart mit Nikotinflecken – und jede Menge Bartstoppeln. Er fuhr sich durch die Haare und ging raus.

Es ging gleich los.

Er stieß an und versenkte `ne gelbe volle. Top. Noch zwei schaffte Er und konnte so ablegen, daß `Jack´ nicht viel tun konnte. Noch mal. Diesmal war`s die grüne volle – aber mit `ner scheiß Ablage. `Jack´ nahm n tiefen Zug Bier, „willste ooch noch eens?“, orderte noch zwei – und legte los. In kürzester Zeit waren noch die vollen, eine halbe und die schwarze übrig. Er machte sich gerade ran zu spielen, da bemerkte er aus den Augenwinkeln die Zuschauerin. Es war das Mädel vom Studi-Tisch, die mit den Hennahaaren. Sie lehnte mit `nem halben Bier in der linken Hand an der Wand, das linke Bein angewinkelt, den Fuß gegen die Wand, rauchte eine Filterzigarette und schaute ihnen interessiert zu – war wohl spannender als das Profgetratsche! Er strengte sich an und schaffte mit viel Mühe Gleichstand. Er schaute sie an, sie schaute nicht weg, Er lächelte. Sie lächelte zurück und sagte „Viel Glück!“ . Doch keine Chance, `Jack the Ripper´ gewann und er ging zum Tresen um die Drinks zu holen. Sie war geblieben!

`Jack´ und er kippten den Tequilla und die Unbekannte stand immer noch da.

Er war nicht der Adonis-Typ. Eher Gerard Depardieu. Ende zwanzig, sah aber bestimmt ´n paar Jahre älter aus – und einige Kilo zu viel. Doch was soll`s . Sie sah ihm nicht aus wie der Typ Frau die Adonis suchte.

„Wollen wir mal spielen, Jack hat für heute genug gewonnen?“. Er traute sich wirklich. Ein Lächeln umspielte ihr Gesicht „Klar, wenn Du `s mir beibringst!“.

Es war nett. Martina, so hieß sie, hatte natürlich schon mal `n Kö in der Hand gehabt, doch nicht oft. Sie verkrampfte sich etwas und er zeigte ihr, seine Hand über ihrer, wie`s denn leichter geht. Dabei spürte er den Duft ihres Parfums, das an Moschus erinnerte. Sie hatte Anstoß und beugte sich über das Billard. Was er da sah, gefiel ihm: Lange nicht zu schlanke Beine, ein knackiger Hintern!

Diesmal wollt` er gar nicht gewinnen. Sie kam aus Köln, war seit sechs Monaten in Berlin und hatte gerade mit ihrem Anglistik-Studium begonnen – top mit dem ersten Semester. Die beiden Typen und das andere Mädel waren ihre WG-Mitbewohner, das Mädel – Katja- hatte sie damals im Zug kennengelernt und sie hatten spontan beschlossen, gemeinsam `ne Bude zu suchen. Die drei Typen hatten sie bei der Immatrikulation kennen gelernt. Katja hatte dann die Wohnungsanzeige entdeckt – „Moabit, Waldstraße, 100 qm, 5 Zimmer, Küche, Bad, Ofenheizung, 500,- DM kalt, gerne WG, Tel. …“.

„Und Du, was machst Du“, fragte sie ihn dann. „Was ich studiere oder was ich wirklich tue?“ „Beides“, sie lächelte wieder. „Eingeschrieben bin ich für Jura, hab` in Saarbrücken damit angefangen und was ich tue ? Arbeiten und suchen. …“ „Suchen ?“ Da kam Katja angewatschelt „Tiiina, kooomst Du, wir müssen morgen früh raus!“ Sie zuckte die Achseln, lächelte noch mal und meinte noch „Ich hoff` Du findest, was Du suchst, bis dann.“ „Bist Du mal wieder hier?“ „ Mal sehen, bestimmt …“ – und da war sie schon fast weg. Sie drehte sich noch mal kurz um, winkte ihm zu, dann zog sie ihre Lederjacke über. Er blickte ihr nach. Die fünf zahlten und gingen. Wenn sie sich vor der Tür noch mal umdreht, dann sähe er sie wieder, dachte er. Barney kam zum Billard, um wieder ein paar Nägel einzuschlagen. Er sah nicht, wie sie rausgingen.

Nach Nägeleinschlagen war ihm nicht. „Barney, ich zahl mal eben … .“

Draußen empfing ihn der Wind. Es schneite jetzt heftiger. Spuren im Schnee.

Die Uhr an der Kreuzung Wiclef/Waldstraße zeigte halb eins.

In Gedanken an Martina ging er die Straße runter. Ob er sie wohl wieder treffen würde ? Diese Stadt war wie ein Bermuda Dreieck, Du trafst Leute, hattest `nen netten Abend – und sahst sie nie wieder! Vom Erdboden verschwunden, verschluckt, einfach weg.

Weg, weg wie seine letzte Beziehung – das „Mädchen aus Ost-Berlin“ – weg, obwohl er wußte, wo sie war, weg, weil nicht erreichbar, weg, weil sie nie mehr erreichbar sein würde, weg, weil sie ihr vermeintliches Lebensziel einer Familie mit dem braven Handwerker als Mann und zwei Kindern bereits gefunden hatte – weg, weil ganz weit weg von ihm und seinem Leben. Was davon geblieben war, waren Erinnerungen an unbeschwerte Momente, die wie Seifenblasen platzten nach ihrem Blick auf die Uhr mitten in der Nacht. Was blieb war die Leere der anderen Betthälfte, die noch leerer war als zu der Zeit bevor sie da war.

Er fror. Endlich war er da. – Maann, abgesperrt! Seine Finger suchten den Schlüssel, schnell, aufsperren, Schloß wieder zu sperren, damit die Tür nicht wieder zu war, wenn sie zuschlug.

Im Hof. Alles stockduster. Im vierten sah er Licht von seiner Schreibtischlampe – Er hasste es, in die Wohnung zu kommen, wenn alles dunkel war. Er öffnete die Tür zum Seitenflügel – die war nie abgesperrt.

Er drückte den Schalter hinter der Tür, flackernd ging das Treppenhauslicht an.

Im Ofen waren die Briketts bis auf eins fast verglüht, er legte noch mal nach.

Auf dem Schreibtisch lag aufgeklappt ein Lehrbuch, Öffentliches Recht, „… das Organstreitverfahren …“ „Fuckin` bullshit“ sagte er laut. – Er löschte das Licht und zündete `ne Kerze an.

Er hängte Jacke und Schal in den Flur, auch den Pullover – Er wollte keine Kneipenluft im „Schlafzimmer“. Seine Jeans hing er über die Lehne der alten Stoffcouch neben der Tür.

Im Zimmer war es jetzt wohlig warm. Er ging in die Küche, holte sich das letzte Bier aus dem Kühlschrank – shit, gähnende Leere, morgen mußte er einkaufen – setzte sich im Schneidersitz auf den Sessel im Wohnzimmer und rauchte seine „Gute-Nacht-Zigarette“. Er öffnete das Bier mit dem Feuerzeug.

Er saß im angenehmen Halbdunkel, trank das Bier und fragte sich, ob er Martina wohl wieder sehen würde. Klammerte sich in Gedanken an den Strohhalm des Einsamen, den Strohhalm der zufälligen Bekanntschaft … Und eigentlich ging es ihm ja gar nicht um DIESE Bekanntschaft …

Mitunter kam ihm der Gedanke, dann, wenn das Alleinleben nicht nur zum Gefühl des Alleinseins sondern zu einem Gefühl der Einsamkeit wurde, daß die Einsamkeit ein Geräusch sei, ein Geräusch, so laut, daß man es im geschlossenen Raum nicht mehr aushielt – ein Geräusch, daß einem in den Ohren brummte wie der tiefe Bass eines Yamaha-Verstärkers.

Er stand auf, ging rüber zur Regalwand und nahm die Cassette – seine „Sounds of silence: … Bob Seeger blätterte eine Seite (des Lebens) um: „ …. later in the evenin` when you lie awake in bed with the echoes from the amplifiers ringing in your head, you smoke the day`s last cigarette, rememberin` what she said … here I am – on the road again, here I am – upon the stage, here I go – playin` start again, here I go, turn the page!…“

Er hörte dieses Stück, blickte in die flackernde Kerzenflamme und hätte auch gerne diese Seite des Lebens umgeblättert, doch die Erinnerung an die, die endgültig und unwiederbringlich WEG WEG WEG war, ließ ihn nicht los – verursachte einen Schmerz, einen inneren Schmerz, den er nicht abschütteln konnte – oder vielleicht auch nicht abschütteln wollte.

Und den Schmerz „bekämpfte“ er mit dem `Roadhouse Blues´, der Rastlosigkeit, dem Stochern in Erinnerungen – mit dem Vergessen der Suche nach etwas neuem – „tiefschürfende Erkenntnisse“ …

Er drückte die Zigarette aus und löschte die Kerzenflamme mit Daumen und Zeigefinger …

Dann stieg er die wacklige Hochbettleiter hoch. Vom Hochbett aus sah er kurz durchs Fenster rüber zum Fernsehturm, er blinkte – was sonst?

 

Bild: Shutterstock

Text: Markus Lamberty