Eine „kleine“ Blattkritik

Allgemein, Erfahrungswerte

Der SPIEGEL ist eines der bekanntesten Nachrichtenmagazine in Deutschland und SPIEGELonline ist – natürlich nach BILD.de – die meist genutzte Nachrichtenseite im world wide web. Leider hat der SPIEGEL aber auch Konkurrenten, wie „Die Zeit“ und ähnliche Magazine, die kurioser Weise auch in Hamburg ihren Hauptsitz haben. Um das Image des Magazins für den älteren Herrn los zu werden versucht der SPIEGEL frischen Wind in die Redaktion herein zu bringen. Dies begann mit der Förderung des journalistischen Nachwuchses durch den SPIEGEL-Schülerzeitungspreis. Hier werden junge Journalisten, die an ihrer Schule ihre Schülerzeitung schreiben und verbreiten, ausgezeichnet. Es gibt verschiedene Kategorien, in welchen die Besten gekürt werden. Die Kategorien sind beispielsweise „Die beste Reportage“ oder „Das beste Layout“ oder „Das beste Titelbild“. Auch ein Gesamtsieger wird ermittelt. Den Schülern wird ein Wochenende mit Programm, wie dem Beiwohnen der Redaktionssitzung oder diversen Workshops, in Hamburg im Gebäude des SPIEGELs angeboten.

Ich selbst war zum zweiten Mal eingeladen diesem, für mich, besonderen Event beizuwohnen. Zum zweiten Mal ging es am Sonntagmorgen zu ungewohnter früher Zeit mit dem ICE nach Hamburg. Nachdem Wochenende ziehe ich jedoch Bilanz und muss mich fragen: Muss der SPIEGEL sparen und das an seinem Nachwuchs?

Was mir als erstes auffiel war, dass ich mehr oder weniger lieblos nur die aktuelle Ausgabe des SPIEGELs in die Hand gedrückt bekommen hatte. Letztes Jahr, im Vergleich, gab es eine rote Tasche mit allen Ausgaben des Magazins für die eine Woche. Was war hier los?

Nun, dieses eine Mal, da kann ich diesen faux pas verzeihen. Aber die Lieblosigkeiten gingen weiter. Während man lange Wartezeiten zu überbrücken hatte, konnte ich die Wand des Foyers nicht aus den Augen lassen. Statt die Covers der eingeschickten Zeitungen groß abzudrucken, hingen nur schwarz-weiß Fotografien da. Ich muss sagen: Das ist doch ziemlich schade, oder? Es war im Jahr zuvor ein schönes Gefühl seine Zeitung so groß zu sehen. Ich kann mich an all die unzähligen Bilder erinnern, die vor dieser Wand geschossen worden. Wir waren richtige VIPs. Liebes SPIEGEL-Team, wie erklärt ihr euch das? Waren die Cover dieses Jahr nicht vorzeigbar? Oder waren wir es dieses Jahr nicht wert? Hatte es jemand vergessen oder waren die Kosten für ein einfaches Plakat größer als die Kosten für das Hotel, die Anfahrt und die Verpflegung? Mein Tipp: nächstes Jahr sollte wieder an der Dekoration gearbeitet werden, denn Stimmung kommt nur im richtigen Umfeld auf – das weiß man schon auf jedem Kindergeburtstag.

Als letztes muss ich den Gesamtsiegern mein Beileid aussprechen: Leider habt ihr dieses Jahr keine Reise gewonnen, aber das liegt sicher nicht an euch. Der SPIEGEL muss eben sparen. Wahrscheinlich mussten die Mitarbeiter ihre Sparschweine plündern … Die armen Schweine …

Was lernen wir daraus? Es wird an allen Ecken und Enden gespart – selbst bei einem so großen Unternehmen, wie dem SPIEGEL. Gerade bei diesem Magazin, das den Ruf eines Altherrenmagazins hat, wird beim Nachwuchs eingespart. Es grenzt beinahe an eine Parodie. Die alten Herren bekommen immer mehr Zuwendung und Gehalt, während der Nachwuchs abnimmt und es im Berufsleben immer schwerer haben wird. Der Beruf des Journalisten wird bestimmt durch persönliche Beziehungen und die Fähigkeit sich anzupassen und es jedem Recht zu machen. Wer im negativen Sinne auffällt, der ist raus.

Ist das der richtige Weg? Das Internet bedroht die althergebrachten Printausgaben und es gibt für den Nutzer heute viele Möglichkeiten sich zu informieren. Vielleicht sollten die Nachrichtenmagazine und die „alten Hasen“ im Business mal überlegen, ob frischer Wind mit neuen Ideen und neuen Stimmen den Journalismus nicht wiederbeleben kann. Eine Organspende kann da Wunder tun …

Also lieber SPIEGEL das war meine „kleine“ Blattkritik. Vielleicht nehmt ihr euch sie zu Herzen und überlegt es euch nächstes Mal, ob ihr wieder den Sparstrumpf anziehen wollt.

Bild: Shutterstock

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